Kommunalblog Lehrte

Demokratie und Bürger in Lehrte

Posted in Lehrte, Stadt Lehrte by kommunalblog on 20. November 2009

Nun war auch am Mittwoch wieder eine Menge in der Zeitung zu lesen. Erneut der Brief der 5 Ratsmitglieder der SPD an ihre Fraktion, aber im Marktspiegel nun auch ein „offener Brief“ an uns alle.

Und es ist wenig aufmunternd, was man dort lesen muss, zumal die wesentlichen Grundfragen immer noch nicht beantwortet wurden, auch wenn munter zurückgeschossen wurde (was ich einem normalen menschlichen Bedürfnis nach Gegenwehr zuschreibe).

Hans Ahrens ist ein Einzelkämpfer und man müsste ihn wahrscheinlich mit den Füßen zuerst wegtragen, bevor er sich einen Fehler eingesteht. Aber die Leidtragenden hier in dieser Stadt sind wir alle und weil das so ist leider auch die Demokratie. Denn wem soll man hier noch trauen. Der SPD sicherlich nicht und zwar ganz vorne weg.Hans Ahrens will uns mitteilen, dass alles richtig war, was die SPD-Fraktion gemacht hat und weil die Mehrheit dieser Fraktion nicht den Mumm hat, offen zu sagen, dass es vielleicht wenigstens Schwachstellen gab, spricht sie ihm das volle Vertrauen aus.

Zugleich zeichnet er ein leicht abstruses Bild von dem, was eine Bürgerinitiative im Allgemeinen und hier im Speziellen macht, machen sollte und auch gemacht hat. Denn was ist die Aufgabe einer Bürgerinitiative: mobil machen. Das ist geschehen. Und dass für diese Mobilisierungsaktion durchaus auch plakative Sprüche dienen können, zeigt die seit Jahrzehnten nicht minder offensive Kampagne gegen die Atomkraft. Da wird gerne mal gesagt „Atomkraft – Nein Danke!“ und welch ein Wunder, selbst Sozialdemokraten sollen mit von der Partie sein. Nun würde aber deshalb keiner auf den Gedanken kommen zu behaupten, dass die sofortige Abschaltung aller Reaktoren a) möglich und b) sinnvoll ist. Das ist zu kompliziert. Aber das ist auch nicht die Aufgabe der Initiative.
In der Regel, und so ist unser demokratisches System schon länger aufbebaut, wird ein verantwortungsvoller Politiker dann irgendwann hellhörig und steigt in die Diskussion ein. Das macht Ole von Beust gerade in Hamburg, damit er mit seiner Schulreform nicht so furchtbar geklatscht wird. Die SPD-Fraktion in Lehrte hat genau das Gegenteil getan. Sie hat alle Bedenken die es gibt mit einem Wisch beiseite geschoben, den aufkeimenden Unmut schlicht ignoriert und die Kritiker als belanglose Querulanten dargestellt.
Wieder einmal rein formal ist natürlich kein Politiker dazu verpflichtet, sich mit dem Bürger zu unterhalten, geschweige denn ihm was zu erklären oder ihn sogar zu überzeugen. Schließlich wurde er ja gewählt und gut. Das könnte reichen. Aber es gibt aus dem Selbstverständnis von Politik heraus noch andere Pflichten und nun kann man sich die Frage stellen, ob die SPD-Fraktion etwas falsch verstanden hat oder einfach gänzlich falsch aufgestellt ist mit ihrem Personal.

Leider müssen sich die Parteigenossen, die sich jetzt ärgern über die SPD-Fraktion, natürlich auch den Vorwurf gefallen lassen, dass sie selbst es ja waren, die diese Menschen in den Rat gehievt haben. Denn, obwohl es Kommunalpolitik ist und obwohl in einer solchen Stadt wie Lehrte der persönliche Kontakt nicht zu unterschätzen und die Parteipolitik nicht zu überschätzen ist, ohne den „Apparat“ und ohne das Geld der Partei, wäre keiner von denen jemals in den Rat der Stadt Lehrte gekommen, egal wie viele Stimmen sie denn einzeln bekommen haben. Ich würde fast meine Hand dafür ins Feuer legen, dass viele Wähler von 2006, die den damals noch in Aligse und Steinwedel angetretenen Fraktionsvorsitzenden gewählt haben, diese Entwicklung sehr bedauern und diese Entwicklung nicht wirklich als das ansehen, was sie sich mit der Stimmabgabe erhofft haben. Ähnlich wird es anderen auch ergehen.

Jeder Bürger hat ein bisschen Hoffnung in bestimmte Personen: die kenne ich, der vertraue ich, der hat gesagt, dass dies oder das passieren wird. Wenn dann nach ein paar Jahren das Gegenteil eintritt, dann kann man nur hoffen, dass diese „Volksvertreter“ nicht wieder gewählt werden.

Man muss allerdings auch hoffen, dass zum Wohle unserer Demokratie nicht diese Wähler in Zukunft GAR KEINEN Volksvertreter mehr wählen, weil die sowieso alle lügen und sich die Wahrheit zurecht legen, wie sie gerade passt. Die Wähler müssen einfach in Zukunft noch genauer hinschauen, genauer fragen, genauer ausleuchten. Dass die SPD dabei etwas aufholen muss liegt auf der Hand.
Egal also ob SPD oder CDU oder FDP, sie alle werden durch diese Prozesse in Lehrte bluten. Die einzigen Gewinner, und das muss man ihnen gönnen, werden hoffentlich DIE GRÜNEN sein. Denn diese Partei hier vor Ort hat stringent vom ersten bis zum letzten Tag das durchgehalten, was sie vorher gesagt hat. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Nicht in Lehrte.

 

 

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6 Antworten

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  1. ano nymus said, on 20. November 2009 at 22:01

    Dieser Kommentar bezieht sich ausdrücklich nur auf den letzten Absatz:

    Weil (einzelne) Mitglieder der Grünen so vehement für den Lehrter Einzelhandel sind, sieht man sie auch regelmäßig in Altwarmbüchen bei Hornbach. Sollte der Obi nach Lehrte kommen, sind sie vermutlich mit die ersten, die dort einkaufen werden.

  2. Ein Bürger said, on 21. November 2009 at 21:43

    Hallo , ano nymus, ich gehe mal davon aus , das sie ein Lehrter Mitbürger sind. Sollte das zutreffen, stellt sich mir die Frage, warum sie anscheinend regelmäßig bei Hornbach einkaufen und nicht die heimische Wirtschaft unterstützen.Sicherlich bekommt man nicht die volle Palette an Heimwerker Artikel in Lehrte aber nach Berichten , bei OBI ? in Lehrte , wenn es doch so sein sollte, auch nicht.

  3. Thorsten said, on 22. November 2009 at 12:53

    Also ich keine ein paar Grüne und finde deren Einstellung völlig richtig. Und auch wenn der eine oder andere mal bei Hornbach kauft, was er in Baumärkten in Lehrte nicht bekommt, finde ich die Grundhaltung richtig: Keinen Großketten-Markt, der alles andere platt macht und das Lehrter Zentrum immer mehr von der Burgdorfer Straße wegzieht.

  4. hopeless said, on 23. November 2009 at 23:26

    hey Thorsten, im Prinzip ein guter Kommentar aber eine Frage habe ich: Hast Du Dich schon einmal ERNSTHAFT mit der OBI-Frage auseinandergesetzt?

  5. Mike Thielert said, on 25. November 2009 at 16:42

    Bislang bin auch ich bekennender Hornbach-Einkäufer und sehe dort auch öfter Lehrter Mitbürger, die sich jetzt sehr intensiv gegen OBI auf den Wall stellen. Dies kostet mich in letzter Zeit immer ein Schmunzeln und ich bin schon gespannt, ob die 6000 Mitbürger auf der Liste der Gegner vielleicht eines Tages bei Obi gesichtet werden. Ich gehe mal nicht soweit, dass man ihnen ggf. Hausverbot erteilen lassen sollte *lol*

    Warum ich zu Hornbach fahre ist ganz einfach: Weil ich dort bei größeren Einkäufen unglaublich viel sparen kann. Z.B. kostet der große Eimer Bondex dort rund 6 € weniger als in den Lehrter Baumärkten. Meist fahre ich dann auch gleich noch zu real. Brauche ich hingegen Kleinkram oder eine fundierte Beratung gehe ich grundsätzlich zu Treude und bezahle dann auch gern etwas mehr für diese Leistung. Genau hier ist aber auch die Zukunftschance dieses Geschäfts: Ehrliche und fachlich hochwertige Beratung – OBI kann das meiner Erfahrung nach nicht bieten und mein letzter Besuch eines OBI-Marktes hat diese Ansicht erst gekräftigt.

    Der andere Markt (jener an der A2) wird meiner Einschätzung nach OBI nicht überleben. Der „Service“ ist dort eher durch Zurückhaltung geprägt und der Preis nicht hinreichend niedrig, um dies zu kompensieren.

  6. Lehrte - Blog - 20 Nov 2009 said, on 26. Januar 2010 at 11:50

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