Kommunalblog Lehrte

Keine Aufenthaltserlaubnis für „Mobil für Lehrte“

Posted in Bürgerinitiative, Stadt Lehrte by kommunalblog on 24. August 2009

Während die Protagonisten auf allen Seiten sich wohl eher zur Ruhe verpflichtet haben und im Verborgenen ihre Pläne schmieden, war ein wenig Zeit, mal wieder auf der Internetseite von „Mobil für Lehrte“ zu surfen und dabei einen bemerkenswerten Kommentar zu finden. Bemerkenswert weil so schön haßerfüllt, dass man schon fast die physische Bedrohung spürt.Dort beschwert sich ein Pascal Rosenberg über die Kampagne von „Mobil für Lehrte“ und die Stammtisch-Argumente der Initiative. Und weil er das alles für unsachlich hält, schämt er sich sogar dafür, mit den Baumarktgegnern in einer Stadt wohnen zu müssen.

Nun kann natürlich jeder seine berechtigte Kritik an den Kritikern überall loswerden – deswegen gibt es ja diese schönen Kommentarfunktionen – aber naja, sich für jemanden zu schämen. Vor allem schämt er sich natürlich auch für alle Bürger, die bisher unterschrieben haben. Man müsste also bei genauer Betrachtung eine Menge Leute ausweisen und z.B. nach Sehnde übersiedeln, um unsere kleine Stadt wieder kritik-frei und rein zu bekommen. Ist auch eine Möglichkeit.

Leider ist die großartige Widerlegung der Argumente natürlich mind. so plakativ wie sie auch zumindest in Teilen falsch ist. Wer im Glashaus sitzt …
So kann man sich ganz bestimmt, und das bemängeln wohl die meisten Befürworter eines neuen Baumarktes, über die Lehrter Preise, die Lehrter Auswahl und meinetwegen über die Lehrter Freundlichkeit beschweren. Da gibt es dann unterschiedliche ganz persönliche Erfahrungen.
Weniger persönlich und weniger auf Erfahrungen gebaut sind allerdings beispielsweise die Lohn-, Betriebsrats- und Einzelhandelsargumente.

Wer was zu den Löhnen wissen will und meinetwegen auch den immer wieder gern ins Spiel gebrachten Artikel aus dem Spiegel zu den Betriebsräten, der investiere doch einfach mal 2,5 Minuten seiner kostbaren Zeit, werfe eine Suchmaschine seiner Wahl an und tippe die Begriffe +OBI +Arbeitgeber oder +OBI +Betriebsrat oder +OBI +Tarif ein und siehe da … man wird recht schnell fündig und erfährt, dass die OBI-Gruppe schon seit Jahren nicht mehr im Arbeitgeberverband ist und somit auch keine Tarifverträge hat. Man findet weiterhin, dass schätzungsweise 40 von 330 OBI-Märkten einen Betriebsrat haben und zuletzt findet man Aussagen zu „Hungerlöhnen“, mangelnden Chancen, Ausbeutung und Mitarbeiterflucht. Letzteres kann man nachlesen im Forum obi-betriebsraete.de.
Herr Rosenberg kann sich also glücklich schätzen, einen glücklichen OBI-Mitarbeiter zu kennen.
Beim Lesen fällt aber weiterhin der Punkt „Anpassung an aktuelle Wirtschaftslage“ auf. Der durchschnittliche Denker stellt sich dabei sofort die Frage, ob unter Anpassung bei Herrn Rosenberg dann wohl gemeint sein mag, sich anstandslos und ohne Widerspruch zum Fallbeil führen zu lassen: „Die Welt ist böse, die Wirtschaft liegt am Boden, meine Investitionen sind pfutsch, ich bin selbst schuld an allem, nun muss ich auch büßen. Bitte lieber Richter: Walte Deines Amtes!“

Ich weiß leider nicht, in welchem Paralleluniversum Herr Rosenberg lebt, aber ich halte es fast schon für einen natürlichen Instinkt, dass Menschen (also auch Geschäftsleute) ihre Existenz retten möchten. Man muss auch fragen, wie sie sich denn hätten entwickeln sollen in einer kleinen Stadt wie Lehrte. Die Argumentation ist leider so wirtschaftsliberal, dass selbst Herr Westerwelle mit den Ohren schlackern würde. „Ich kann nicht fressen, also werde ich gefressen. Tja, dann ist das wohl so.“ Mensch, selbst die Lehrter FDP hält hier den Mittelstand noch für erhaltenswert. Und das sind beileibe keine Gutmenschen.

Er möchte von der Initiative, dass sie was für die Attraktivität der Stadt tut. Das tut sie! Falls Herr Rosenberg hier in Lehrte wohnen sollte weiß ich auch nicht, wie er sich diese Stadt perspektivisch vorstellt: E-Center, OBI, Bahnhof und der Rest wird Ghetto? Mmmhh, kann nicht das Ziel sein.

Zuletzt fällt mir auf, dass leider die Verkehrsargumente von ihm nicht angesprochen worden sind. Vergessen oder keine guten Worte?

Und ganz zum Schluss: Herr Rosenberg braucht doch nun gar nicht mehr auf die bunten Plakathersteller, Agitatoren, Zukunftsverweigerer und Angsthasen zu schimpfen, denn schon bald werden ALLE BÜRGER befragt und dann kann sich auch Herr Rosenberg mit all seiner Kompetenz voll ins Zeug legen.

Mal schauen, ob da noch mehr kommt.

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Eine Antwort

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  1. Lehrte - Blog - 24 Aug 2009 said, on 24. September 2009 at 20:10

    […] Keine Aufenthaltserlaubnis für „Mobil für Lehrte“ « Kommunalblog … […]


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