Kommunalblog Lehrte

Jugendplätze – der Umgang will gelernt sein

Posted in Lehrte by kommunalblog on 26. Juli 2008

Oh je. War das ein Aufschrei und ein Begeisterungssturm, als die SPD im letzten Jahr die Idee mit den Jugendplätzen aus Laatzen (?) klaute, auf Lehrte übertrug und daraus einen prima Antrag formulierte. JUGENPLÄTZE sollten die Lösung für alles sein, zumal unsere Jugendlichen eigentlich nur Ärger machen. Alles war super. Und so wurde das Projekt auch „recht schnell“ zu Ende geführt: Antrag – Vorlage – Beschluss – 1. Jugendplatz.

Nun aber … genau so groß wie die Begeisterung: Die Ernüchterung!Was ist passiert? Egal wie enthusiastisch und prinzipiell aus dem Menschenverständnis heraus die SPD damals ihren Antrag eingebracht hat – für die meisten beteiligten PolitikerInnen stand hinter der Zustimmung die Hoffnung darauf, unliebsames Gesindel „verschwinden“ zu lassen. Das gilt sicherlich nicht für alle, aber für viele. Mit „neuer Freiheit“ und „jugendgerechten Ausdrucksformen“ etcpp hatte das nicht mehr viel zu tun.

Nun funktioniert das Prinzip „Jugendplatz“ (wie man es anderenorts inzwischen kultiviert hat) aber nicht, wenn man im Hinterkopf lediglich eine Verdrängungsstrategie fährt. Zum Bau von Jugendplätzen gehört zunächst einmal die Akzeptanz jugendlicher Gewohnheiten und Verhaltensweisen. Nix da mit „Acker suchen – Holzhütte drauf – endlich Ruhe“. Das greift zu kurz.

Deshalb ist nun in Arpke auch das Projekt gescheitert. Denn der Hauptgrund für die Forderung nach Jugendplätzen waren bereits vorhandene Probleme. Man wollte also Symptome bekämpfen ohne die Ursachen im Blick zu haben. Aus dieser „worst case“ Situation heraus ist es natürlich schwierig, den potentiellen Anwohnern einen benachbarten Jugendplatz schmackhaft zu machen. „Hallo, in Kürze kommen die Jungs und Mädels, die sonst am Dorfteich Massenschlägereien und Saufgelage veranstalten. Ist das in Ordnung?“

So geht das natürlich nicht!!! Da würde ich mir auch verarscht vorkommen. Und als rechtsschaffener Jugendlicher, der mit den Dorfteich-Vorfällen nichts zu tun hat, würde ich mich ebenfalls in eine Ecke gedrängt fühlen.

Dennoch muss es möglich sein, selbst in Arpke eine Lösung zu finden. Dazu gehört auch ein bisschen guter Wille seitens der Bevölkerung. Es sind ja schließlich die „eigenen Jugendlichen“, um die es hier geht. Da kann man nicht immer nur sagen: die kommen nicht aus UNSEREM Dorf. Bei der Bewertung von Aufenthaltsorten für Jugendliche sollten diese meiner Meinung nach also nicht unbedingt niedriger eingestuft werden als alternde Gäule oder sonstige Lebewesen. Jugendliche sind doch auch Menschen. Oder?

Wahrscheinlich ist es okay, nun erst einmal in Arpke Schritt für Schritt vorzugehen und mit dem Bolzplatz anzufangen. Aber unsere Politiker sollten genügend Weitsicht mitbringen, dass der Bolzplatz nicht das Ende der Fahnenstange sein kann. Bolzplatz und Jugendplatz treffen zwar in Teilen die selbe Zielgruppe, aber der Sinn und Zweck, also die Zielsetzung ist eine völlig andere. Aus diesem Grund sollte man nicht aufhören, den „Jugendplatz“ in Arpke weiterhin im Gedanken zu wälzen, auch wenn durch den Bolzplatz plötzlich weniger auffällige Jugendliche durchs Dorf ziehen. Politik sollte es sich gut überlegen, ob sie immer nur auf Grund von Momentaufnahmen handelt oder auch mal eine langfristitige Perspektiventscheidung treffen will.

Der sehr umtriebige Ahltener Bürgermeister Kehlich z.B. hat es diesbezüglich mustergültig gemacht: auch ohne Ratsbeschluss, Jugendhilfe-Diskussion oder gar die nötigen Gelder hat er bereits eine Diskussion über zukünftige Jugendplätze angestoßen. Ebenso die Hämelerwalder SPD.

Hier geht es darum, PRÄVENTIV die Jugendplätze als Jugendhilfe-Maßnahme zu nutzen, BEVOR Arpker Zustände herrschen. Da könnten die Bewohner und Politiker aus dem Dorf mit der teuersten Umgehungsstraße sich mal eine Scheibe von Abschneiden, anstatt immer nur gegeneinander zu arbeiten.

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