Kommunalblog Lehrte

Doppik kommt – Kameralistik geht: alles wird besser!?!

Posted in Allgemein by kommunalblog on 26. Juni 2008

Gleich vorweg: ich bin kein Fachmann. Aber ebenfalls vorweg: unsere Ratsmitglieder sind genau so wenig vom Fach (bis auf wenige Ausnahmen). Und so nehme ich mir das Recht heraus, hier einmal kurz zu beleuchten, was denn (hoffentlich) in Bälde auf unsere Kommune zukommt und warum das vielleicht gut ist, dass es in Bälde kommt.

Vielleicht sollte man mal in der IT-Abteilung der Stadt Lehrte nachfragen, aber die Downloads und Zugriffe auf den Haushaltsplan der Stadt Lehrte sind sicherlich bisher nie über den zweistelligen Bereich hinausgekommen. Das liegt sicherlich daran, dass das Lesen und Studieren eines knapp 280 seitigen Zahlenwerks wenig spannend zu sein scheint, zum anderen aber auch an der „undeutlichen“ Aussagekraft bzw. Transparenz eines solchen Werkes.

Sicherlich waren die BürgerInnen nicht das Hauptanliegen, als sich die Innenministerkonferenz 2003 für einen Wechsel „von der bislang zahlungsorientierten Darstellungsform auf eine ressourcenorientierte Darstellung“ entschloss und damit „die Steuerung der Kommunalverwaltungen statt durch die herkömmliche Bereitstellung von Ausgabeermächtigungen (Inputsteuerung) durch die Vorgabe von Zielen für die kommunalen Dienstleistungen (Outputsteuerung)“  ermöglicht werden. Klingt kompliziert, ist es wohl auch.

Wieso komme ich überhaupt darauf? Unsere Fraktionsvorsitzenden werden in Kürze einen Lehrgang besuchen und sich das DOPPIK-SYSTEM erklären lassen, also die „Doppelte Buchführung in Konten bzw. Kommunen/Körperschaften“. Damit ist schon einmal ein Teil erklärt: Jeder, der zufällig beruflich mit „doppelter Buchführung“ zu tun haben sollte, wird es in Zukunft nicht schwer haben, die wirklichen Aussagen eines Haushaltsplanes zu lesen und die Hürden der Zukunft zu erkennen. Alle anderen müssen umdenken und umlernen.

Dennoch ein paar Stichpunkte aus meiner Laiensicht: DOPPIK bedeutet für uns alle, dass die Verwaltung (nach einer Phase der Umstellung) endlich transparent ihre Leistungen darstellen muss und nicht mehr in sogenannten Sammelnachweisen die größten kommunalpolitischen Haken versteckt werden können. DOPPIK heißt ebenfalls, dass in einem „Produktbuch“ die Einzelleistungen der Abteilungen etc. dezidiert aufgeführt und mit Kosten belegt werden, so dass ebenfalls anschließend eine Kontrolle dieser Leistungen erfolgen kann (was bisher recht schwierig war, bzw. in der Deutungsmacht der Verwaltung lag).

So können wir uns dann alle darauf freuen, dass wir zukünftig Schwarz auf Weiß nachvollziehen können, was z.B. die Bauabteilung von Herrn Pietsch den ganzen Tag so macht oder großartigen Pläne Sozialamtsleiter Wegener mal wieder schmiedet. Ab 2009 wird Rechenschaft abgelegt und das ist gut so.

Natürlich sind dies nur die oberflächlichen Punkte, da Kennziffern und Controllingmerkmale für Nicht-Fachleute dann doch ein wenig Erklärung bedürfen, sicherlich aber eine Hauptintention waren, um die kommunalen Haushalte aus ihrer generellen Finanzmisere zu bringen und zu „entschlacken“. Soweit erst einmal.

Hier noch ein paar Links für Interessierte, die einem das „Reinkommen“ in die Thematik ein wenig erleichtern sollen.

Beschluß Innenministerkonferenz

Wissensportal NKF Doppik

Erfahrungsberichte auf Haushaltssteuerung.de (http://www.haushaltssteuerung.de/erfahrungsberichte.html)

Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) – Übersicht über Doppische Haushaltspläne

aus der REGION, damit es nicht so „weit weg“ aussieht.

Doppischer Haushalt Stadt Garbsen 2008



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2 Antworten

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  1. Ein mitlesender Bürger said, on 14. Juli 2008 at 00:12

    Soll man Ihren Beitrag nun mit Humor oder mit Traurigkeit lesen?

    Wenn ich lese, dass die Ratsmitglieder den neuen Haushalt nicht verstehen, so frage ich mich, wie kann ein Ratsmitglied dann glaubhaft diesen beschließen. Der Bürger wird wohl verlangen können, das ein Politiker etwas davon versteht, worüber er abstimmt.

    Zudem reicht es bei weitem nicht, Kenntnisse der kfm. Buchführung zu haben um einen doppischen Haushaltsplan zu verstehen. Zumal in vielen Kommunen der Umfang in Seiten reichlich zunimmt. Dieses ist sicherlich den Umstand geschuldet, dass sowohl ein Ergebnis-, wie auch Finanzhaushalt (diesen gibt es z.B. in kfm. Unternehmen i.d.R nicht, Ausnahme Aktiengesellschaften / Konzernholding die eine Cash-Flow-Rechnung der Bilanz beifügen müssen).

    Klarheit der Leistungen? Kommt darauf an; viele Doppikprojekte zeigen doch, dass eine notwendige Reorganisation der Verwaltungen nur halbherzig umgesetzt wird. Es werden zwar Produkte gebildet, intern wird aber weiterhin an Organisationseinheiten, Ämtern, Fachbereichen (oder wie auch immer bezeichnet) festgehalten. Nun bildet die Kommune beispielhaft folgende Produkte: Gebäudemanagement und Grundschulen. Die Kosten für die Gebäudeunterhaltung und -bewirtschaftung landen nun im Produkt Gebäudemanagement. Dort wird dann in den Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen z.B. 100.000 EUR ausgewiesen. Im Produkt Grundschulen werden diesen Kosten nicht auftauchen (Ausnahme es wird eine ILV eingeführt, die aber verwaltungsintern zu erheblichen Buchungsmehraufwand führen wird). Kommt nun der Produktverantworliche auf die Idee (um Kosten zu sparen), aus dem städtischen Rathaus auszuziehen, weil die Kosten für die Anmietung von Büroräumen günster ist, wird es in der Diskussion wieder spannend. Umgekehrt möchte die Doppik der Verwaltung mehr Freiheiten geben, da nun das Produkt Gebäudemanagement die 100.000 EUR frei im Bereich der Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen einsetzen kann. Aber auch hier zeigt, das dieses vielen Ratsvertretern doch zu ungenau ist und diese dann doch wieder auf einen Haushalt auf Sachkontenebene (also wie hoch ist der Aufwand für Sanierung, für Heizung, für Telefon) setzen. Dann hätte auch die erweiterte Kameralistik gereicht.

    Häufig werden zudem die Auswirkungen von Mittelkürzungen nicht korrekt umgesetzt. Es ist immer wieder zu beobachten, dass z.B. Mittel für die Straßenunterhaltung gekürzt werden. Dieses kann im Einzelfall betrachtet notwendig sein, da diese ggf. per Kredit zu finanzieren werden. Da aber eine Kürzung auf die Substanz geht, würde ich nun erwarten, dass für diesen erhöhten Substanzverlust die Abschreibungen im Ergebnishaushalt des zuständigen Produktes entsprechend in die Höhe gehen bzw. eine entsprechende Zuführung zu einer Rückstellung (Aufwandswirksam) zu finden wäre. Dieses wird nicht gemacht und führt zu einer Verschleierung der tatsächlichen Situation.

    Weiterhin wird im jedem Produkt die Position der Personalkosten veranschlagt. Aber der Produktverantworliche wird i.d.R. keinen Einfluß darauf bekommen, da hier häufig das Personalamt vorgeschoben wird. Somit wird den eigentlichen Produktverantwortlichen nicht ermöglicht, Einfluß auf einen Großteil der Kosten zu nehmen.

    Und wenn es das Ziel ist, zu erfahren was ein Amt den ganzen Tag macht, ist vielleicht ein Vorortbesuch einfacher, als die Umstellung auf die Doppik. Aber ich freue mich schon auf so sinnhafte Kennzahlen wie Kosten pro Eheschließung oder die Kosten pro Personalausweis / Reisepass.

  2. gast said, on 1. August 2011 at 14:53

    Ein ausführlich erläuterter kameraler Haushaltsplan gibt alle Informationen darüber, wie mit den Einnahmen des Staates umgegangen wird. Einer Doppik bedarf es nicht. Im Gegenteil ein doppischer Haushaltsplan wird viel mehr Aufwendungen als vorhandenes Budget haben (bspw. Abschreibungen vs. Jährlichkeit)


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