Kommunalblog Lehrte

Papiertonnen – Solidarität zeigen

Posted in Allgemein by kommunalblog on 25. Juni 2008

Ja, es ist schwierig. Die Abfallentsorgungsgesellschaft Aha hat es nicht leicht in diesen Tagen. Rund um Hannover werden die Kommunen von privaten Entsorgern belagert, die auf öffentlichen Straßen und Wegen ihre Tonnen aufstellen in der Hoffnung, ein Teil vom Müll-Kuchen abzubekommen. Das ist Marktwirtschaft. Es ist deshalb auch so schwer für Aha, eine Art von Solidarität einzufordern, weil ebendiese Eigengesellschaft der Region Hannover in den letzten Jahren immer wieder die Geduld der Bürgerinnen und Bürger überstrapaziert hat.
Vor ein paar Jahren ärgerten sich alle über den sogenannten „Grünschnitt“, dann kam der Eklat mit den Wertstoffhöfen. In beiden Fällen wurde von oben nach unten durchregiert, die Kommunalpolitiker konnten nichts machen, außer hilflose Anträge zu schreiben und Petitionen zu verfassen, letztlich aber wurde einem übergeordneten Interesse gefolgt.
Das alles war zwar ärgerlich, das alles führt auch nach wie vor zu weitreichenden (im wahrsten Sinne des Wortes) Konsequenzen in unserem Alltagshandeln (s. Anzeiger heute zum Thema „Müll im Wald“), aber dennoch dürfen diese krönenden Enttäuschungen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Aha eigentlich doch einen guten Job macht und dass es sehr kurz gedacht wäre, wg. eines Grolls nun aus Protest „unserem regionalen Müllentsorger“ von der Stange zu gehen.
Jeder von uns allen möchte gewährleistet wissen, dass JEDER MÜLL grundsätzlich und immer abgeholt wird. Das zählt zu unserem Grundverständnis und dafür zahlen wir Gebühren. Wer nun anfängt, sich die „Rosinen“ heraus zu picken, sägt mittelfristig an seinem eigenen Ast, da die Müllentsorgung in der Region Hannover ein komplexes, in sich rundes und aufeinander abgestimmtes System ist (Fehler inbegriffen). Aber auch dort gilt die Regel wie überall: Mehreinnahmen auf der einen Seite gleichen Mehrausgaben auf der anderen Seite aus. Diese „Mehreinnahmen“, zustande gekommen durch aktuelle politische und wirtschaftliche Gegebenheiten im Bereich der Papierentsorgung, drohen nun verloren zu gehen und Aha bleibt allein gelassen mit den defizitäten Wertstoffhöfen, den Müllhalden usw..
In der Folge, man braucht nur 1 und 1 zusammen zu rechnen, wird dieser Teil ebenfalls teurer werden, zumal die privaten Entsorger mitnichten eine VOLLENTSORGUNG vornehmen, d.h., dass Pape und Co. genau so agieren wie z.B. die Telekom bei den DSL-Anschlüssen. Wo es nicht lohnt, wird auch nicht investiert.
Wenn nun also alle auf den Zug springen, werden wir alle bei einer Änderung der Rohstoffpreise (Zellulose etc.) dafür bezahlen müssen, zuvor „unseren“ Versorger ausgebootet zu haben.
Abschließend sei hier auch noch erwähnt, dass bei dieser Debatte die Frage der ARBEITSPLÄTZE chronisch unterbeleuchtet wird. Es ist schon ein Unterschied, ob unterbezahlte Leiharbeiter für ein paar Euro die Tonnen einsammeln und wieder rausgeschmissen werden, sobald es nicht mehr lohnt, oder ob bei Aha wesentlich sicherere Arbeitsplätze mit Tarifvertrag erhalten bleiben, die nicht dem kontinuierlichen Wandel in der Weltwirtschaft ausgesetzt sind, bzw. zumindest noch gepuffert werden.
Last but not least: So oder so gibt es die Abholung von Papier VON ALLEN UNTERNEHMEN UMSONST, auch von Aha. Es besteht also noch nicht einmal ein finanzielles Argument („ich spare 3,50 pro Jahr) für den Wechsel.
Deshalb an dieser Stelle mein kleiner Aufruf, die Privaten konsequent vom Platz zu weisen und für ein „solidarisches“ Modell einzustehen: im Sinne der Mitarbeiter, im Sinne der kommunalen Finanzen (Umlage) und im Sinne unserer Müllentsorgung.

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