Bürgerbefragung? Was ist denn nun?
Man weiß es wohl nicht so genau. Gestern hat zumindest der Rat der Stadt Lehrte getagt und im Hannover-Teil der HAZ ist zu lesen, dass die Entscheidung vertagt wurde. Also vergeht noch einmal ein Monat, oder wie?
Man kann aber trotz allem eigentlich nur jedem diesen Artikel ans Herz legen, offenbart er doch noch einmal ein paar Wahrheiten, die bisher so nicht öffentlich geworden sind.Zunächst einmal muss man der HAZ dankbar sein dafür, dass sie noch einmal genau und sehr chronologisch alle Geschehnisse der letzten Monate beleuchtet hat: die Fragestellung, die Protagonisten, die Meinungen, die Verfahrensweisen, den Protest.
Man muss der HAZ auch dankbar dafür sein, dass sie in diesem Fall wohl auch noch einmal ein paar kleine Interviews geführt hat, so dass die beiden Protagonisten SPD-Fraktionschef Hans Ahrens und Bürgermeisterin Jutta Voß dann doch noch unmißverständlich erklären dürfen, was sie wirklich meinen. Da geht es zum einen um die „Nicht-Beachtung“ der SPD-Mitgliederversammlung durch die SPD-Fraktion, aber viel wichtiger scheint wohl die Voß-Aussage zur weiteren Planung auf dem C-Gelände. Jutta Voß möchte nicht nur den OBI dorthin haben und dort dann die halbe Fläche leerstehen lassen. NEIN, sie denkt weiter:
DER OBI BAUMARKT SOLL WEITEREN EINZELHANDEL NACH SICH ZIEHEN!!!
Damit dürfte klar sein, dass sich die Diskussion in den kommenden Wochen und Monaten auf eine weitere Ebene begeben wird. Bisher hatte die Bürgerinitiative immer die „Vermutung“, dass das OBI-Sortiment Einfluss auf den bestehenden Handel in der Lehrter Innenstadt hat. Nun aber kann man sagen: selbst wenn mit OBI allein noch alles gut bleibt, dann wird spätestens mit den weiterführenden Plänen der Bürgermeisterin der uns bisher bekannten Innenstadt der Todesstoß versetzt – und zwar sehenden Auges.
Wie hat man sich das vorzustellen: Die C-Fläche als Einzelhandelsareal? Welche Chancen haben die Lehrter Geschäftsleute? Müssen sie nun etwa „einfach“ ihre Preise anpassen und ein wenig freundlicher sein?
Wer diesem Plan so zustimmt, muss ein Idiot sein!!! Soweit kann selbst die FDP nicht gehen. Ihre beiden Ratsmitglieder kommen aus Steinwedel und Hämelerwald und sie bemühen sich vor Ort redlich, wieder ein Leben aufzubauen und nicht zum Schlaf-Dorf zu verkommen. Auch der CDU als offensichtlich bisher immer mittelstandsfreundlichste Partei kann das nicht gefallen.
Man muss der Frau Bürgermeisterin dafür dankbar sein, dass sie sich so hat zitieren lassen. Daraus lassen sich gute Szenarien entwickeln, die selbst den hinterletzten OBI-Gegner dann auch an die Wahlurne mobilisieren werden.
Es wird, um mit der HAZ zu schließen, ein spannender zweiter Wahlkampf, irgendwann im Herbst, wenn sich die Lehrter Kommunalpolitik mal entschlossen hat.
Es ist erstaunlich dass sich doch einige Kleinbürger vor den Karren des „Innenstadt-Einzelhandels“ spannen lassen. Wie und warum sollte es denn einen Todesstoß für die Innenstadt bedeuten. Ist der Einzelhandel so schlecht aufgestellt, dass neue Einzelhändler diese „mal eben“ wegfegen? Wenn diese Befürchtung besteht, dann ist offensichtlich dieser Einzelhandel nicht konkurrenzfähig – sprich, hat sich auf seiner Provinzidylle ausgeruht. Gute (aufgestellte Einzelhändler) werden sich immer und überall behaupten.
UND: Warum fahren denn viele, viele Kunden zu Hornbach oder OBI? Denn das ist ja Fakt. Haben die hiesigen Baumärkte denn nicht die letzten 10 – 20 Jahre alle Möglichkeiten gehabt sich zu entwickeln?
Bergbau ist tot, Zuckerfabrik ist tot, Wirtschaft ist tot – Lehrte ist tot.
Pro Kundenmagnete in Lehrte (und nicht in Burgdorf, Laatzen oder Altwarmbüchen).