Das Kreuz mit den Freien Wählern im Land
Anlässlich des heute in der HAZ erschienenen Portraits von Herr Böttcher, welches an Kritiklosigkeit, Oberflächlichkeit und Recherchelosigkeit kaum zu überbieten ist:
Es ist ein Graus. Ob sie nun Freie, Freie Wähler, Freie Bürger, Bürger für Freiheit oder sonstwie heißen … in 90% aller Fälle stecken dahinter ehemalige Mitglieder einer nationalistischen, heimatkonservativen, ausländerfeindlichen oder sonstwie an den Grundfesten unserer Demokratie rüttelnden Partei.
Seit mehreren Monaten nun sammelt hier auch in Lehrte JÖRG BÖTTCHER fleißig seine Unterschriften und nachdem er zur Bundestagswahl als Einzelkandidat zugelassen wurde verteilt er nun Flyer in den Haushalten. Freiheit statt Bevormundung.
Solidarität statt Egoismus.
Das hört sich fast zu schön an, um wahr zu sein. Und wahrscheinlich könnten Vertreter fast aller Parteien und die Bürger erst recht dies unterschreiben. Ebenso fahren natürlich die meisten Menschen darauf ab, wenn jemand davon redet, dass DIE POLITIKER im allgemeinen sich nur bereichern, nichts für die Menschen tun, weit weg von ihren Bürgern sind und zudem noch dafür sorgen, dass die Medien die „freie Meinung“ wegzensieren.

Jörg Böttcher (Die Republikaner)
Zwei Dinge sind aber bemerkenswert. Zum einen die parteipolitische Karriere von Herrn Böttcher, der über die IG Metall, die ÖDP, die FDP und schließlich die Republikaner in der Tat einige Erfahrungen gesammelt hat, dabei aber mit Sicherheit bei den selben Floskeln geblieben ist. „Ich sage, was der Bürger denkt“ (REP) und „Wir stehen für eine Politik mit dem Bürger, für den Bürger“ (heute). Man kennt das von anderen Politikern, die in „ihrer“ Partei leider erfolglos blieben (und Herr Böttcher ist bis nach Kappeln gereist): sie gründen eine eigene Partei oder, damit es sich besser anhört, einen Verein. Das klingt weniger nach Filz, nach Ideologie, nach Begrenzung, naja, nach Politik halt. Herr Böttcher hat es genau so gemacht und tut nun so, als ob er eigentlich gar kein Politiker sei, sondern lediglich ein Mann, der sich wehren will gegen die alten Kader, Kasten und und und …
Das macht ihn natürlich nicht glaubwürdiger. Zum einen kennen wir gerade in Lehrte das Geplänkel mit zwischenzeitlich parteilosen ehemaligen Freien und Republikanern in Person des Ratsherren Scholz. Der wird sich ebenfalls kaum ändern, bloß weil er gerade mal keiner Partei angehört.
Und auch die Lektüre der Internetseiten des von Herrn Böttcher in Aligse gegründeten Vereins „Freie Bürger Allianz“ geben wenig Anlass zur Hoffnung, dass der ehemalige Republikaner-Kandidat von 2006 nun plötzlich ein im Jahr 2009 Angekommener ist.
Abgesehen davon gibt es natürlich auch bei Herrn Böttcher die kleine Differenz zwischen Reden und Handeln. Schließlich will der gute Mann ja nicht nur Politik machen, sondern er muss auch leben. Und womit macht man das, wenn nix mehr geht: Finanzberatung aller Art -besonders hervorzuheben sind dabei die Schweizer Fondsdepots.
Ob das mit „Heimat statt Globalisierung“ vereinbar ist? Ich weiß es nicht.
Man kann nur hoffen, dass so ein intoleranter, ausländerfeindlicher, rückwärtsgewandter Mensch wenigstens bei seinen sonstigen Aktivitäten nicht noch mehr schaden anrichtet. Der Mann hat bestimmt gute Ideen beim Stadtmarketing und als Ausländerfeind ist er sicherlich auch im Aufsichtsrat der Wohnungsgenossenschaft Lehrte eine große Hilfe bei der Auswahl integrationswilliger Mitbürger.
FAZIT: Lehrter Bürger, helft bitte mit, dass die Rechtspopulisten, egal wie sie sich gerade mal nennen, keinen Platz haben in dieser Stadt.
[...] das kreuz mit den freien wählern im land [...]