Sport ist Mord für die Stadt

Ohne Zweifel wird die Neuregelung der Sportförderung in der Stadt Lehrte in den kommenden Wochen und Monaten einen ganz erheblichen Beitrag zum “lustigen Streiten” leisten. Bisher, so wurde ja bereits geschrieben, gibt es nur eine s.g. Informationsvorlage, also den Stand der Dinge. Was aber nun? Gibt es eigentlich einen Zeitplan? Denn eines ist klar: der bisherige Weg ist so offensichtlich zum Scheitern verurteilt wie das Rentensystem der BRD. Irgendwann taucht die große Wand auf und schon ist man dagegen gefahren.Wie zu vernehmen war, ist die jetzige Situation folgendermaßen zu beschreiben. Die Stadtverwaltung weiß sehr genau, dass allein aus finanziellen Gründen das momentane System der Sportförderung nicht mehr durchzuhalten ist. Die Stadtverwaltung weiß aber auch, dass in den hiesigen Sportvereinen viele Hundert BürgerInnen aktiv (oder nicht aktiv) sind und die Wut dieser BürgerInnen will niemand auf sich ziehen, indem er einen Reformvorschlag macht. Um wieder auf die Bundespolitik zu kommen: es will niemand die Sportagenda 2010 wagen und wie Weiland Schröder dafür böse abgestraft werden.

Deshalb, und das macht es nun für die hiesigen Kommunalpolitiker so spannend, werden alle Reformen und neuen Ideen ausschließlich aus der Politik kommen. Es wird also eine spannenden Sommerpause, wenn man das richtig angeht. Es wird viel diskutiert werden, z.B. mit dem Sportring und dann auch gleich mit den Vereinen, die sich nicht richtig repräsentiert fühlen. Man könnte sagen: es geht da richtig um stimmen, auch wenn noch gar keine Wahl ansteht.

In Kürze und sehr oberflächlich sei hier dargestellt, wie das System z.Zt. funktioniert und warum es evtl. nicht mehr funktioniert. Zudem möchte ich kurz erläutern, warum dieser und jener Verein kein Interesse an einer Neuordnung hat oder haben kann. Vorweg als Zusammenfassung:

  • Vereine sind nicht solidarisch!
  • Vereinen ist der städtische Haushalt ziemlich egal!
  • die Lehrter Vereine sind nur zum Teil im s.g. Sportring engagiert; ein großer Teil (mit vielen Mitgliedern) meint, dass er auf eigene Faust besser durchkommt

Das alte System in Stichpunkten:

  • jeder Verein zahlt “pro Kopf” aus seinen Vereinseinnahmen eine Summe X an die Stadt Lehrte bzw. den Topf der Sportförderung; diese Summe ist unabhängig vom Status “aktiv” oder “nicht-aktiv” und ist unabhängig von der anschließenden Ausnutzung der Sportförderung
  • die Stadt Lehrte sattelt noch einmal drauf und bezuschusst den Topf der Sportförderung, um daraus a) die eigenen Sportanlagen zu errichten, zu erhalten, zu sanieren etc. und b) den Vereinen mit eigenen Sportanlagen Zuschüsse zu gewähren
  • die Sportnutzung durch Schulen wird prozentual herausgerechnet; Schulsport wird also nicht durch Vereine kofinanziert
  • ALLE VEREINE haben nun, weil sie die Kopfquote bezahlt haben, das Recht auf quasi unbegrenzte Nutzungen der Sportanlagen z.B. der Sporthallen; das Sportamt verwaltet die Anmeldungen und Hallenbelegungen; die jeweilige Hallenbelegung oder Nutzung der Leichtathletik-Anlage ist kostenfrei, bzw. durch die Kopfquote bereits abgegolten

Das führt insgesamt dazu, dass:

DAS KOMPLETTE SYSTEM NICHT MEHR FINANZIERBAR IST.

Wie der Vorlage zu entnehmen ist, sind die Kosten für Bewirtschaftung und Sanierung seit Einführung dieses aktuellen Systems um insg. 42% gestiegen. Ein Grund liegt sicherlich in steigenden Energiekosten etc., die auch eine Plage für die Besitzer von “eigenen Anlagen” sind. Ein zweiter Grund liegt in der Schaffung NEUER ANLAGEN wie z.B. der Turnhalle in Lehrte-Süd. Nicht nur der Bau schlägt hier zu Buche sondern viel schlimmer der jährliche Pflegeaufwand.

Den Sportvereinen wurde an dieser Stelle also eine prima Halle gebaut, allein die Finanzierung klappt nicht mehr. Allein die Tatsache, dass die s.g. Pro-Kopf-Pauschale in den letzten zehn Jahren gleich geblieben ist (0,38 € pro Monat) zeigt schon auf, dass hier dringend Korrekturbedarf vorhanden ist. In der Vorlage rechnet die Stadtverwaltung dazu vor, dass nach dem alten Modell und mit den neuen Zahlen der eigentliche Betrag bei mind. 0,50 € liegen müsste. Allerdings wäre damit allein niemandem geholfen, hat man doch dadurch noch nicht die z.B. drastischen Fehlkapazitäten bei den Hallenzeiten im Griff.

Nun kann man die Vorlage weiter auseinanderfleddern, aber die Frage bleibt immer noch offen: WIE GEHT ES WEITER MIT DER SPORTFÖRDERUNG???

Die genannte Differenz i.H. von 0,12 € pro Erwachsenen und Monat zeigt vielleicht schon auf, das der Protest an dieser Stelle groß sein wird, denn so wie es sich darstellt, wird es für die Vereine sicherlich keine Möglichkeit geben, die Sportförderung “kostenneutral” auf ein anderes System umzustellen.

Es beginnt nun also die “heiße Phase” des Lobbyismus und des Pfründe-Sicherns und dann werden erst einmal alle möglichen Sportvereinsfunktionäre, die “zufällig” auch in der Kommunalpolitik aktiv sind, ihre Beiträge dazu abliefern wollen, warum gerade dieses oder jenes Modell auf keinen Fall umsetzbar ist.

Ich hoffe sehr und wünsche es ihnen auch, dass unsere Kommunalpolitiker in diesem Fall IM SINNE DER STADT - und das sind nicht nur die Sportvereinsmitglieder, auch wenn einige das vielleicht so sehen - zu einer weisen Beschlussfassung kommen, und dass sie sich nicht davor scheuen, auch mal dem einen oder anderen Sportfunktionär damit auf die Füße zu treten. Die “Selbstbedienung” und Klientelpolitik für Vereine und Verbände gerade im Rat ist ohnehin schon furchterregend und so könnte man vielleicht ein bisschen Sachpolitik in den Vordergrund stellen.

In diesem Zusammenhang sei auch an die Adresse der Sportler der Hinweis gerichtet, dass es ein neues Konzept wohl nur mit Hilfe eines solidarischen Miteinanders geben kann. Wenn also Extrawünsche, Sonderprivilegien und “alte Abmachungen” auf den Tisch gebracht werden, kann man dieses an sich intelligente Ansinnen einer Neuordnung gleich wieder vergessen. Da muss sich jeder wenigstens nur ein Mal zusammen reißen.

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