Kommunalblog Lehrte

Kommunalpolitik in Lehrte – Live und in Farbe aus den Machtzentren der Kleinstadt

Schattenseiten und Lichtquellen der Lehrter Verwaltung

mit 2 Kommentaren

Eigentlich ist es ein löbliches Werk: Die Vorlage 025/2008 ist inhaltlich gesehen sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, denn wer kann schon etwas gegen den “Ausbau von Angeboten für Kinder und Familien in der Stadt Lehrte” sagen. Ernsthaft wird sich an dieser Grundidee niemand reiben wollen, lediglich der damit verbundene Aufwand (”Einrichtung eines Service- und Beratungszentrums in der Kernstadt”) mutet seltsam an.

In der Vorlage, geschrieben von Sozialamtsleiter Wegener, wird vorgeschlagen, im neugebauten Ärztehaus in der Bahnhofstraße (ggüber der VHS) 200 qm anzumieten und auszustatten. Die Kosten pro Jahr belaufen sich dabei auf ca. 35.000 €.

Auf den ersten Blick mag das geradezu “günstig” klingen, erst recht, weil in den ersten drei Jahren wg. einer Kofinanzierung nicht die volle Summe anfällt. Aber die Frage muss gestellt werden: Wozu gibt es eigentlich unsere Verwaltung in ihrer bisherigen Form? Was wird denn eigentlich dort gemacht? Und zuletzt: traut man sich gar nicht mehr, irgendjemandem in der Gartenstraße (Sozialamt) die Tür zu öffnen, dass es gleich so ein Prunkhaus sein muss?

Der Reihe nach: Was soll das neue Angebot sein? In groben Zügen reicht es zu sagen: die Angebote in und um Lehrte sollen gebündelt werden, es soll Vernetzung stattfinden und es soll immer Ansprechpartner geben. Hhmmm!!! Was passierte denn wohl bis jetzt, wenn man z.B. die 505 269 wählte? Freizeichen? Besetzt? Nicht zuständig? Man weiß es nicht.

Sicher ist jedoch, dass ein Großteil der Leistungen, die das neue Service- und Beratungszentrum anbieten soll, ohnehin zum Standardkatalog unseres Sozialamts gehören oder zumindest gehören sollten. Zumindest wird der Eindruck erweckt, dass dies bisher so war. Es stellt sich also die notwendige Frage, warum nun plötzlich unser lieb gewonnenes Sozialamt nicht mehr ausreicht als Anlaufstelle und zur Beantwortung von Fragen.

An dieser Stelle sollten unsere lieben Kommunalpolitiker genau nachfragen, erst recht, wo doch so seltsame Posten wie 3000,- € für Öffentlichkeitsarbeit in der Kalkulation auftauchen. Wenn die Stadt doch mit Herrn Großmann einen eigenen Mitarbeiter für Repräsentation und Öffentlichkeitsarbeit hat, dann kann hier doch schon einmal gespart werden.

Wichtiger scheint mir aber der drohende Nachahmereffekt, womit ich zur Überschrift kommen möchte: In unserer Verwaltung gibt es so viele Schattenseiten und dunklen Ecken, dass man den BürgerInnen schon von allein gar nicht mehr zumuten möchte, die Gemäuer zu betreten. Niemandem kann zugemutet werden, in der Gartenstraße im Flur zu warten oder womöglich dort auch noch einen Antrag abgeben und einen Mitarbeiter fragen zu müssen. Ob’s am Haus oder dem Personal liegt, man weiß es nicht. Klar aber ist, dass man hier nun versucht, die dunklen Seiten des Sozialamts durch einen hellen “neuen” Stern auszumerzen: Neues Haus, neue Wohnung, neuer Versuch, alles wird gut.

So ähnlich kann man das ja mit dem Vorzeige-Bürgerbüro auch schon sehen, aber es wäre fatal, wenn nun jedes Amt wg. zahlreicher Defizite einfach “ausbaut” anstatt mal intern richtig zu “ruckeln”. Wie wäre es z.B. mit einem Lächeln im Gesicht. “Bürgerfreundlichkeit” und “Ansprechbarkeit” kann man nicht nur durch teure Investitionen erreichen.

Written by kommunalblog

25. März 2008 um 19:29

Veröffentlicht in Allgemeines

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2 Antworten

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  1. Lieber Blogger!
    Du übersiehst, das die unvermieteten Wohnungen der Lehrte Wohnbau und somit der Stadt gehören. Von irgendetwas müssen die Aufsichtsräte-alles Ratsmitglieder- jedoch bezahlt werden! Also zahlen die Lehrter Bürger , wenn auch über einen verschlungenen Umweg.

    AlbertG

    7. April 2008 um 23:08

  2. Hallo Herr Gürtler,

    zum Glück hat sich ja inzwischen herausgestellt, dass unsere lieben Kommunalpolitiker der Idee der Verwaltung nicht blindlings folgen. So war es zumindest dem Anzeiger zu entnehmen. Und ich denke in diesem Fall auch nicht, dass es legitim ist, die Vorlage “Familien- und Beratungszentrum” mit einer Art Selbstbereicherung von Kommunalpolitikern in einen Zusammenhang zu stellen.
    Die Idee kam zunächst aus der Verwaltung und dafür gab es viel Kritik. Sie unterstellen hier ja förmlich, dass die Bezahlung der Aufsichtsräte das vorderste Interesse war.
    Dennoch, da haben Sie sicherlich Recht, passt es natürlich prima, wenn die Stadt ein quasi-städtisches Gebäude mietet. Das ist korrekt.

    Gruß

    kommunalblog

    8. April 2008 um 17:50


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