Kommunalblog Lehrte

Hämelerwald - ein Dorf in Proteststimmung

Veröffentlicht in Ortschaften, Politiker, Verwaltung by kommunalblog am September 29th, 2007

Manchmal wenn man morgens die Zeitung aufschlägt, dann beschleicht einen das Gefühl, dass in Hämelerwald schon in naher Zukunft eine blutige Revolte ausbrechen wird. Angeführt von Besserwissern und Spießbürgern kann man sich deren Verlauf folgendermaßen vorstellen:

a) Entmachtung des Ortsrates durch überlautes Gebrüll bei der kommenden Ortsratssitzung. In der Folge hat von den EhrenamtspolitikerInnen keiner mehr Lust und sagt “macht Euren Scheiß doch allein”; das wollten Sie ohnehin tun, denn Hämelerwald hat ungefähr 4000 Bürgermeister am Start. Große Potentiale also.

b) nach der Aufgabe des Ortsrates ziehen die Hämelerwalder Revolutionäre nicht etwa nach Lehrte, um dort vor dem Rathaus für Ihre Rechte zu kämpfen, nein, sie bauen eine Mauer, auf dass niemand mehr in ihr Dorf kommen kann, der ihnen was vorschreibt. Die Mauer als Schutz vor den urbanen Auswüchsen der Lokalmetropole Lehrte, dem Wohnort des Bösen und des Verderbens und vor allem dem Sitz des Rathauses; Hämelerwald ist eine Art Gallien und Korsika: der Kampf gegen die Zentralregierung ist in vollem Gange.

c) nachdem nun alle Verbindungen zur Zivilisation gekappt sind setzen sich die Anführer der +60 Revolte erst einmal auf die Bank und bewundern ihr Werk. Sie freuen sich darüber, dass nun endlich aufgeräumt wurde und dass nun endlich alles wieder so werden kann wie früher, denn früher war bekanntlich alles besser.

d) nach einigen Tagen aber schon merken dieselben Revolutionäre, dass außer ihnen gar niemand mehr in Hämelerwald wohnt und dass ihre Mauer anscheinend von den restlichen Einwohnern eher als Einengung denn als Schutz aufgefasst wurde. Sie sinnieren über die letzten Worte von Genosse Erich Honnecker und just als sie umdenken wollen, da höhnt es auch schon aus Peine: “NEIN NEIN NEIN, mit Euch wollen wir auch nichts zu tun haben. Ihr tut immer so, als ob wir Eure Freunde sein müssten. Aber auch bei uns Peinern kommt Querulantentum und Starrsinn aus Prinzip nicht gut an. Macht doch was ihr wollt.”

Naja, so oder ähnlich könnte es laufen, bevor dann der zuvor wirklich sehr zwiegespaltene Hugo Voges, Bürgermeister von Hwd., der in den Tagen der Revolution gegen den Rat seiner Genossen zu den Revoltierenden übergelaufen war wieder bei seinen einstigen Parteifreunden anruft und um Asyl bittet, weil da anscheinend was mit ihm durchgegangen ist.

Was will ich damit sagen: Ich finde es schön, dass es noch so viele engagierte Bürgerinnen und Bürger gibt, die ALLES sehen und ALLES kritisieren und dabei immer wieder so viel Vertrauen in die Kommunalpolitik haben, dass sie wg. jedem Kleinkram die armen Ehrenamtlichen behelligen. Hwd. ist insofern ein schillerndes Beispiel, weil die engagierten Bürger wg. der Lautstärke ihrer Hilferufe immer wieder in der Zeitung landen. BAHNBRÜCKE, BAHNTUNNEL, die EICHEN, die ORTSEINGANGSCHILDER, der ADOLPHSHOF, fast könnte man meinen, dass in andern Dörfern gar kein Leben stattfindet.

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