Kommunalblog Lehrte

Der Umbau des Umbaus der Burgdorfer Straße

Veröffentlicht in CDU, Politiker, SPD, Stadtplanung, Verkehr, Verwaltung, WEL by kommunalblog am Mai 30th, 2007

Man muss den vielen vielen Leserbriefschreibern und empörten Lehrtern natürlich in einem Punkt recht geben: Wenn man einen Fehler gemacht hat, dann sollte man ihn einsehen und ihn korrigieren.

Aber das war dann auch schon alles, was ich an intelligenten Forderungen auf Lehrtes Straßen in den letzten Monaten höre wenn mal wieder über die Burgdorfer Straße geredet wird. Frei nach dem Motto: “Hauptsache Mosern und Meckern, Gründe sind egal und es trifft ja auch keinen Falschen” wird um die Wette geschwafelt. Nur die wirklichen Probleme, die haben sie alle anscheinend nicht erkannt.

Worum geht es eigentlich? Ja klar. Die Freunde von der WEL wollen mal wieder etwas an der Verkehrsführung ändern und mobilisieren und mißbrauchen dafür mit einer Unterschriftenliste die Lehrter Bevölkerung. In wenigen Wochen werden sie dieses Ding dann wahrscheinlich übergeben und denken, dass sie jetzt mehr Recht haben als vorher. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Wie so oft gilt in der politischen Entscheidungsfindung: die langfristige Planung steht über dem Kurzzeit-Denken und -Planen.

Nun denn: Als vor vielen vielen Jahren in Lehrte die Möglichkeit bestand, ein paar Hektar Land von der Bahn zu kaufen und darauf eine Umgehungsstraße zu bauen (neue Poststraße / B 443), ergriff man sinnvollerweise die Chance und beruhigte damit die Burgdorfer Straße. FÜr alle die sich wg. Gedächtnisschwund nicht mehr erinnern können. Die Burgdorfer Straße war wg. des Verkehrs lebensgefährlich für Fußgänger und Fahrradfahrer und wg. der Abgase für alle Anwohner. So eine Art Bad Oeynhausen im Kleinformat!

Die Geschäfte auf der damaligen Burgdorfer Straße waren heruntergekommen, schon damals sind alle Lehrter gerne und häufig nach Hannover gefahren. Parken durfte man auf so einer Art Mittelstreifen, der allerdings direkt nur von Süden zu befahren war, so dass der von Norden kommenden Autofahrer gerne auch mal eine Weile warten musste, bis er im fließenden Verkehr eine Lücke finden konnte. Fast vergaß ich es: HÄSSLICH WAR ES! DRECKIG UND HÄSSLICH!!!

Die Stadt stürzte sich also in Unkosten und beruhigte diese Straße, indem sie sie u.a. komplett neu pflastern ließ und die Verkehrsführung neu organisierte. Im Zusammenhang mit der Schließung der Zuckerfabrik und dem neuen EKZ wurde zudem recht viel Zeit und Gedankenschmalz in die Findung einer Lösung für das Problem der Abwanderung investiert. Die Stadt + die PolitikerInnen einigten sich damals auf ein Konzept mit Verkehrberuhigung und reiner Fußgängerzone. Warum das? Damit unsere WEL-Geschäfte (wir nähern uns langsam) nicht komlett baden gehen.

Man stelle sich nur einmal vor: die “alte” Burgdorfer Straße (sozusagen in manchen Augen die “guten alten Zeiten”) mit zig-tausend Autos pro Tag durchschneidet Lehrte und hindert jeden willigen Einkäufer daran, mal wieder vom neuen EKZ ins gute alte “Neue Zentrum” zu gehen.

Verfolgt man die Diskussion und vor allem die Meinung der WEL, dann scheinen Frau Rosenbaum, Herr Wäsch und Co. das gerne wieder genau so haben zu wollen. Vielleicht denkt Frau Rosenbaum noch an damals, als es bei “Sundmacher” noch einen Parkplatz gab, aber ansonsten kann ich bei diesem Rückschritt nicht viel Vorteile erkennen. Das eigentliche Problem der WEL und der BEVÖLKERUNG kann man vielmehr an zwei Aspekten festmachen:

a) GEWOHNHEIT: Ich sehe ein, dass es nicht leicht ist, sich an neue Straßenführungen zu gewöhnen und ich bin mir sicher, dass auch die Burgdorfer Bürger irgendwann einmal Umstellungsprobleme hatten, als man ihre komplette Innenstadt mit Einbahnstraßen verkomplizierte (aber auch beruhigte). Und, würde heute noch ein Burgdorfer dagegen Sturm laufen. Eher nicht. Man hat die Vorteile erkannt und weiß auch inzwischen den Weg. Da Lehrte aber nicht Rom oder Berlin ist, sollte die Umstellung auch in einem machbaren Zeitrahmen zu bewältigen sein. So alt kann niemand im Kopf sein, dass man sich nicht auch daran gewöhnt.

b) MANGEL AN EIGENLEISTUNG: die WEL und ihre angeschlossenen Geschäfte … was für ein lahmer Haufen! Egal ob mit oder ohne Parkplatz direkt vor der Tür. Bei 90% der Läden will man eigentlich gar nicht rein. Nicht, weil man zu wenig Symphatie für Lehrte hätte, sondern einfach, weil die Lehrter Geschäftswelt in weiten Teilen noch nicht im 21. Jhd. angekommen ist. Schauen wir uns mal das s.g. Neue Zentrum an. Es sieht nicht nur aus wie vor 30 Jahren. Die Geschäfte haben auch Öffnungszeiten wie vor 30 Jahren und vor allem: sie alle haben trotz enormer Konkurrenz nichts renoviert, reformiert oder erneuert. Der interessante Satz: “Konkurrenz belebt das Geschäft” gilt in Lehrte nicht. Stattdessen hört man hier nur: “Stadt Lehrte … halte uns die Konkurrenz vom Hals!”

Man könnte noch mehr schreiben, z.B. darüber, dass die meisten Leute aus Lehrte gar nicht unbedingt selbst mit dem Auto einkaufen fahren (und deshalb evtl. keinen Parkplatz brauchen) und man könnte auch mal eine Kundenbefragung innerhalb der Burgdorfer Straße und des Neuen Zentrums fordern. Aber dafür ist die WEL sicherlich zu feige.

Auf jeden Fall sollten sich unsere werten PolitikerInnen hier nicht von der WEL und irgendwelchen Unterschriftenlisten unter Druck setzen lassen. Das hier ist wirklich ein Thema, was man mal aussitzen sollte. Kommt Neiseke-Block, kommt Rat. Und keinen Augenblick vorher.

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