Kommunalblog Lehrte

Hämelerwald ganz vorne - Tunnelverschönerung

Veröffentlicht in CDU, Grüne, Jugend, Ortschaften, Politiker, SPD, Verwaltung by kommunalblog am Mai 14th, 2007

Wie man munkelt, hat sich der Ortsrat Hämelerwald inzwischen doch zu einem weisen Entschluss bezüglich seines neuen Tunnels entschlossen. Angesichts des ruppigen und zudem sachlich-falschen Vortrags des CDU-Polizisten Matthias Brust im Jugendhilfeausschuss hatte sich der OR ebenso plötzlich und einseitig gegen die langgeplante Bemalung des Tunnels gestellt.

Nun aber ist ein Kompromiss gefunden und die Hämelerwalder können sich auf die Fahne schreiben, dass zumindest nicht sie vor den Law-and-Order-Vorstellungen der Ahltener CDU-Fraktion eingeknickt sind.Im Prinzip ist alles so harmlos wie einfach. Fangen wir bei der Fragestellung an:

Es gibt einen neuen Tunnel. Dieser ist aus Beton und wird weiß gestrichen oder bleibt grau. Nun bestehen zwei Alternativen: a) anmalen oder künstlerisch verzieren oder b) so lassen.

zu b) die Erfahrung zeigt, dass eine glatte Fläche in wenig beobachteten Gebieten (z.B. in einem Tunnel) förmlich die jungen Menschen mit dem dicken Edding anzieht. Das müssen im Übrigen nicht immer kriminelle Hip-Hop-Musik hörende Jugendliche mit zu großen Hosen sein, es kann sich auch um die 10jährige Anna handeln, die für ihre Grundschul-Liebe ein Herz mit dem kribbelnden Satz “Anna liebt Kevin” an die Wand kritzelt. Das gab es auch schon, als hier noch niemand wußte, wie Graffiti geschrieben wird. Egal wie: es sieht innerhalb kürzester Zeit sehr unansehnlich aus, ungefähr so wie ein Schmierzettel in groß.

zu a) in Lehrte und überall anders kann man sehen, dass Wände, die bereits ganzflächig bemalt worden sind, entweder in Ruhe gelassen werden oder man auch die kleineren Kritzeleien nicht so stark sieht (was auch schon ein Vorteil wäre). Was könnte nun noch dagegen sprechen? Graffiti ist nicht “schön”, Graffiti ist “bedrohlich” und und und … Alle Argumente (und es gibt viele) sind ein wenig eindimensional betrachtet, weil sich anscheinend von den zuständigen Politikern niemand damit beschäftigt hat. ES SIEHT NICHT ALLES GLEICH AUS!!! Da es sich um eine Kunstform handelt, die z.B. der Malerei in Nichts nachsteht, ist es natürlich Sache der Künstler, wie es aussieht. Nur um mal zu verdeutlichen, dass es Unterschiede gibt wie Tag und Nacht, hier ein paar Links für die Unbedarften (Link 1 / Link 2 / Link 3).

Und nun ein HOCH AUF DEN ORTSRAT HÄMELERWALD. Dieser hat alle diese Fragen mehr oder weniger ausführlich behandelt und es sich nicht so einfach gemacht wie die Kolleginnen und Kollegen im Jugendhilfeausschuss (nehmen wir mal 1-2 Personen aus). Und weil das so ist, haben sie doch noch eine künstlerische Lösung gefunden, die erstens die Vorbehalte der BürgerInnen einbezieht und dennoch zumindest mittelfristig die Ansicht des Tunnels ein wenig erhält.

Damit soll auch nicht einseitig mit Scheinargumenten den “Kindern und Jugendlichen” gegen die ältere Generation das Vorrecht gelassen werden. Sondern es soll auch insgesamt zu einer guten Lösung kommen. Klar ist, dass Schmierereien für niemanden das Optimum darstellen. Und wenn mittlerweile (oder schon seit langem) der Preis für eine reine, sauberere Wand das Wegsperren von Kindern und Jugendlichen wäre, dann scheint das zu hoch. Von daher ist der Kompromiss einer nett anzusehenden Malerei / Graffiti-Aktion doch ein guter Weg.

PS: Vielleicht sollte man Graffiti umbenennen in Malerei? Das klingt für die verängstigte Bevölkerung vielleicht harmloser?

Leave a Reply